Neue Ausgabe

Aktuelles aus dem Haller Leopoldinum und Berichte über das Schuljahr 2016/17 finden sie hier.


Aus dem Inhalt:
* Zur Zukunft des Leopoldinums
* Mein siebtes Jahr im Leopoldinum - ein Resümee - ganz ohne verflixt
* Ein neues Gesicht im Erzieherteam
* Zur bedarfsorientierten Mittagsbetreuung


Matura 1985

Maturajubiläen – 30 Jahre und 40 Jahre

Seit seinem Bestehen hat das Leopoldinum auf die Entwicklung vieler Menschen einen prägenden Einfluss  ausgeübt, haben doch eine nicht unwesentliche Anzahl von Personen, die heute verantwortungsvolle Aufgaben in unserem Land Tirol erfüllen, ihre schulische Ausbildung und ihre Internatszeit in diesem Heim der Franziskaner verbracht. Bei den Treffen zu den sogenannten Maturajubiläen erinnern sich viele auch an ihre Zeit im Leopoldinum, viele verbinden damit angenehme Erinnerungen; manche weniger angenehme, weil das Zusammenwirken von Umgebungsbedingungen und persönlicher Konstitution nicht so gut aufeinander abgestimmt waren. Wie auch immer die Erfahrungen von Einzelnen im Leopoldinum waren, konnte ich doch in meinen Jahren als Heimleiter beobachten, dass mit zunehmendem Alter die Rückbesinnung auf die eigene Geschichte und das Wiederaufsuchen von Kindheitsorten immer wichtiger wird. Deshalb freue ich mich immer wieder, wenn im Rahmen von Maturajubiläen der Wunsch zum Besuch des Leopoldinums an mich herangetragen wird.


So stattete die Maturaklasse 1975 am Samstag, dem 30.5.2015, dem Leopoldinum einen Besuch ab, 40 Jahre nach der Matura. Bei einem Aperitif im Garten beim Antoniusbrunnen wurden alte Erinnerungen wach. Während der Führung durch das Haus äußerten manche von ihnen, dass die heutige Struktur des Hauses eine Entwicklung sichtbar macht, in der weniges noch an die eigene Schulzeit im Leopoldinum erinnert. Das Stiegenhaus mit den abgewetzten Treppenstufen und den Ammoniten stellte für manche von ihnen die Verbindung zur eigenen Schulzeit her.


Am Samstag, dem 13.6.2015, traf sich die Maturaklasse 1985, meine eigene Klasse, zu ihrem 30jährigen Jubiläum zuerst im Gymnasium und dann im Leopoldinum. Beide Gebäude haben inzwischen einen fundamentalen Umbau und eine Generalsanierung durchgemacht, sodass die heutigen Räumlichkeiten wenig an damals erinnern. Trotzdem gingen viele an bestimmten Orten auf individuelle Spurensuche und erfüllten diese mit Anekdoten aus der eigenen Schulzeit wieder neu mit Leben aus der alten Zeit. (Markus Walder)


Dachsanierung beim Kapellentrakt (Westtrakt)

Am frühen Morgen des 5. November 2014 erhielt ich vom diensthabenden Erzieher folgende SMS: „Guten Morgen, Markus. Nimm auf jeden Fall deine Kamera heute mit. Der Sturm hat ziemlich gewütet: Dachziegel im Garten und auf der Straße, zerbrochenes Fenster im Gym-Hort, entwurzelter Baum beim Ausgang zum Gym. Weiß aber nicht, ob ich alles schon entdeckt habe. Den Dachboden muss man sicher als erstes anschauen. Leider habe ich keine besseren Nachrichten schon in der Früh. Dafür keine VerletztenJ LG Christoph.“ Der Sturm hatte tatsächlich furchtbare Schäden angerichtet: Ein Großteil des Daches über der Kapelle (Westtrakt) wurde abgedeckt und die Dachziegel lagen verstreut über den Garten und den Sportplatz sowie entlang der Straubstraße. Eine große Kiefer (18 m) im Westen des Gartens wurde entwurzelt und fiel Gott sei Dank in den Garten und nicht auf die Häuser in der Erlerstraße. Das Dach des Westtraktes war so sehr beschädigt, dass von einem Totalschaden gesprochen werden muss. In einem ersten Schritt galt es, entsprechende Notmaßnahmen zu setzen und Aufräumarbeiten durchzuführen. Die Aufräumarbeiten erledigten wir zusammen mit den SchülerInnen, die eifrig mithalfen. Die Notmaßnahmen, um das Dach für den Winter dicht zu machen, erledigte die Firma Anker für uns. Das Dach des Westtraktes wurde 1950 errichtet, es hatte deshalb ein Alter, bei dem eine Reparatur nicht mehr möglich war, vor allem auch deshalb, weil passende Dachziegel im Handel nicht mehr erhältlich sind. Für die Erneuerung des Daches war es notwendig, eine neue Dachpappe und eine neue Dachlattung anzubringen, auf der die neuen Dachziegel aufgelegt werden konnten. Das Dach sollte ähnlich dem derzeitigen Bestand wieder hergestellt werden und es wurde für die Deckung ein naturroter Tondachziegel (Marke Creaton) ausgewählt. Die Arbeiten wurden für den Zeitraum Mai bis Juni geplant in der Hoffnung, dass auch das Wetter dabei mitspielt. So wurde der Westtrakt am 18. Mai bei herrlichem Wetter eingerüstet. Doch am nächsten Tag begann eine Schlechtwetterfront mit Regen, die fast zwei Wochen lang andauerte, sodass ein Arbeiten am Dach nicht möglich war. Danach konnten die Handwerker mit ihren Tätigkeiten beginnen und es stellte sich bald schon heraus, dass die Arbeiten insgesamt schneller vorangingen, als ursprünglich veranschlagt war, sodass man einige verlorene Zeit wegen des schlechten Wetters wieder wettmachen konnte. Die gesamten Arbeiten konnten so innerhalb von fünf Wochen fertiggestellt werden, geplant waren sechs Wochen. Die Zimmermannsarbeiten (Abbruch des alten Daches und Anbringen einer neuen Dachpappe mit neuer Konterlattung und Querlattung als Unterbau für die Dachziegel) wurden von der Firma Holzbau Haid aus Birgitz ausgeführt. Die Spenglerarbeiten und die Dachdeckung wurden von der Firma Anker aus Hall ausgeführt, deren Chef als ehemaliger Leopoldiner mit persönlichem Engagement dabei war. Die Einrüstung des Westtraktes erledigte die Firma Gerüstbau Seifert aus Tarrenz, die uns sehr entgegengekommen ist. Der Sturmschaden hatte auch die Innenfassade durch herabstürzende Dachziegel so stark beschädigt, dass sie neu gemalt werden musste, was von der Firma Malerei Erler erledigt wurde, die das Leopoldinum seit vielen Jahren in malerischer Hinsicht betreut.


Die Kosten für die gesamte Dachsanierung betragen netto 85.000 Euro. Da das Leopoldinum einen solchen Betrag nicht  alleine aufbringen kann, mussten die Arbeiten mit Subventionen gestützt werden. Dazu hat die Franziskanerprovinz einen Beitrag von 24.000 Euro geleistet. Weiters wurde die Sanierung des Daches am Kapellentrakt vom Land Tirol mit 7.000 Euro von der Abteilung Kultur und mit 15.000 Euro von der Landesgedächtnisstiftung sowie von der Stadt Hall mit 5.000 Euro gefördert. Abschließend möchte ich mich bei den ausführenden Firmen für die vorzügliche Arbeit, die gute Kooperation sowie bei den Geldgebern sehr herzlich bedanken. Und so dürfen wir hoffen, dass das Leopoldinum mit neuem Dach noch lange Bestand hat. (Markus Walder)


Eine Ära geht zu Ende

von Markus Walder

Das Ende dieses Schuljahres stellt für das Leopoldinum gewissermaßen einen historischen Moment dar, weil in der 8a Klasse des Franziskanergymnasiums die letzten klassischen Internatsschüler waren. Wie bekannt ist, haben wir im Leopoldinum im Jahr 2007 beschlossen, das klassische Internat aufzulassen. Die freiwerdenden Räumlichkeiten haben wir für Angebote zur Tagesbetreuung umgestaltet (Schülerhort, Mittagstisch). Das Vollinternat wurde auf die Gruppe der Berufsschüler reduziert sowie bei Bedarf auf einzelne Schüler, welche das PORG Volders besuchen.

Um diesen historischen Moment würdevoll zu begehen, haben wir eine lange Tradition aufgegriffen und so, wie es in den vergangenen Jahren üblich war, wurde die Verabschiedung der Maturantinnen und Maturanten im Festsaal des Leopoldinums abgehalten. Seitdem das Leopoldinum existiert, besteht eine feste Verbindung zwischen Gymnasium und Leopoldinum, die einerseits über die Brücke der Schüler führt, weil besonders in der Vergangenheit der Großteil der Schüler des Gymnasiums auch Heimschüler des Leopoldinums waren (in meiner eigenen Maturaklasse 8a 1985 gab es 32 Schüler, von denen 28 Internatsschüler des Leopoldinums waren); andererseits wurde diese Verbindung auch dadurch gewährleistet, dass die Patres der Franziskaner sowohl im Gymnasium unterrichteten als auch gleichzeitig Erzieherdienste im Leopoldinum erfüllten. Wie wir alle wissen, hat sich in dieser Hinsicht in den letzten Jahren sehr viel verändert, da seit 2002 alle Erzieherdienste im Leopoldinum von sogenannten Laien, also Nicht-Franziskanern erfüllt werden. Auch im Lehrkörper des Gymnasiums unterrichten derzeit nur vier Patres. Gleichwohl besteht über die Schüler nach wie vor eine gute Verbindung zum Gymnasium, da in den Gruppen der Schülerhorte, welche grundsätzlich für Schüler aller Haller Schulen offen sind, immer noch zwei Drittel Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums sind.

Bei der Verabschiedung der heurigen Maturantinnen und Maturanten wurden auch die letzten beiden Internatsschüler des Leopoldinums verabschiedet, die nach 8 Jahren Internatszeit selbst davon berührt waren, dass mit Ihnen ein langes Kapitel der Geschichte des Leopoldinums abgeschlossen wird. Einer von ihnen brachte dies auch dadurch zum Ausdruck, dass er gebeten hatte, bei der Verabschiedung ein paar Worte zum Rückblick auf 8 Jahre Internat sprechen zu dürfen. In den Gesichtern der Maturanten konnte man die Gelassenheit und Freude über das erreichte Ziel der Matura lesen und in diesem Moment kam mir meine eigene Maturaverabschiedung 1985 in den Sinn, welche ebenso im Festsaal des Leopoldinums stattfand. Auch wir fühlten uns nun richtig frei und gelöst, nicht viel anders als die Maturanten von 2011. Und wenn es in diesem Moment so erscheint, als durchlebten die Maturanten Jahr für Jahr Ähnliches, spürte ich bei der heurigen Verabschiedung, dass etwas anders ist. Das Leben im Internat für 8 Jahre war doch für die meisten in irgendeiner Art und Weise besonders prägend, sodass für viele Internatsschüler das Leopoldinum zu einer Art zweiten Heimat wurde, die eine „eigene Welt“ darstellte. Diese „Welt“ und diese Zeit existieren jetzt nicht mehr und sie lebt höchstens noch in der Erinnerung vieler Altleopoldiner weiter. Aus 8 Jahren gemeinsamen Erfahrungen bildet sich eine Gemeinschaft, die zum Beispiel in den Maturatreffen gepflegt wird, welche umso bedeutungsvoller werden, je älter man wird, wie mir unlängst ein Altleopoldiner sagte. Auch wenn sich im Nachdenken über und in der Erinnerung an die „alten Internatszeiten“ ein Stück Wehmut mischt, überwiegt bei mir selbst dennoch die Freude darüber, dass das Leopoldinum mit einer anderen Ausrichtung auch in Zukunft weiter existieren wird, obwohl es die Zeit, aus der es kommt, nicht mehr gibt.